Berliner Bildergeschichten – der Comiczeichner Alberto Madrigal hat die Hauptstadt porträtiert

By | 16. Oktober 2013
A. Madrigal Un Lavoro Vero 03

Alberto Madrigal hat dieses Jahr eine Graphic Novel veröffentlicht, die in Berlin spielt und die Stadt liebevoll abbildet.

Man kennt diesen Spiegel-Effekt: vor sich einer, im Rücken einer, und schon sieht man seinen Kopf bis in die Unendlichkeit vermehrt, ein Bild im Bild im Bild. Ganz ähnlich verhält es sich mit den Zeichnungen von Alberto Madrigal, der in seinem Buch Un lavoro vero einen jungen Mann Berlin erkunden lässt, der ihm selbst bis aufs Haar gleicht. Sein Buch ist dieses Jahr bei Bao Publishing in Italien erschienen.

Die Geschichte geht wie folgt: Ein junger Spanier namens Javi kommt nach Berlin, um seinen Traum vom Comiczeichnen zu leben. Familie und Freunde sagen ihm, er solle es aufgeben und sich einen richtigen Job suchen (was Un lavoro vero übersetzt bedeutet). Javi ist ratlos, was er ihnen darauf erwidern soll, denn er hat schon seit Monaten nichts mehr gezeichnet, will aber nicht aufgeben.
Die Realität geht so: Alberto Madrigal, inzwischen 30 Jahre alt, lebt schon seit sechs Jahren in Berlin. Mit Ersparnissen und dem Plan, seine Lieblingsbeschäftigung zum Beruf zu machen, war er hergekommen und hatte zu zeichnen begonnen, Seiten voll, Mappen voll, Bücher voll.

Mit der Zeit schmolz das ersparte Geld dahin. Er suchte sich einen Job als Zeichner, arbeitete für fast zwei Jahre in einer Computerspiele-Firma und schuf sich ein neues finanzielles Polster. Danach saß er in Cafés in der Nähe seiner Wohnung am Halleschen Tor, und ließ sich von den Straßenszenen inspirieren. Cafés sind ohnehin die Orte, an denen er Eindrücke sammelt und unter Umständen auch gleich zu einem Bild verarbeitet: „Man muss nur in Ruhe Leute beobachten, und die Geschichten springen einen regelrecht an. Zeichnen ist ja nichts anderes als Geschichtenerzählen.“

Dieses genaue Beobachten generierte die zweite Hauptfigur neben Javi – die Stadt. „Ich streife ständig durch fremde Kieze. Ich mag es, wie verschieden die Orte sind, aus denen sich Berlin zusammensetzt.“
Wahrscheinlich hat man genau deshalb das Gefühl, das eigene Berlin in Alberto Madrigals Bildern eingefangen zu sehen. Sie enthalten einen emotionalen Mehrwert, den man spürt, wenn man die oft grauen Straßen entlangwandert. „Ja, die Architektur ist wichtig. Und ich liebe es, wie der Himmel sich über die Dächer ausbreitet. Meistens hat man ja nur nach oben freie Sicht.“

Seit sieben Jahren hat er jeden Tag gezeichnet. Das geht hoffentlich so weiter.

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