Adé, weißer Riese am Alexanderplatz – das Haus der Statistik soll verschwinden

By | 24. Oktober 2013

Haus der Statistik Berlin

Achtung, dieses Gebäude gibt es nicht mehr. Also bald. Eigentlich sollte es schon längst abgerissen worden sein, denn der Beschluss hierzu existiert seit 2010. Der Alexanderplatz selbst ist längst nicht mehr, was er im sozialistischen Ostberlin war, aber drum herum ist noch einiges vom alten Ensemble erhalten: das Haus des Lehrers, das Haus des Reisens, Plattenbauflanken hin zur historistischen Karl-Marx-Allee. Man muss sich nur einmal an die Kreuzung Alexanderstraße/ Karl-Marx-Allee stellen, um die Zusammenhänge körperlich wahrzunehmen. Zum Ensemble gehört auch die Otto-Braun-Straße und mit ihr ein Gebäude, dass in der DDR nicht unwichtig war: Das Haus der Statistik.

Unverkennbar ist es durch die große Kaffeetasse, ein Metallrelief, das, von der Mollstraße kommend, auf der Kopffassade des vorderen Riegels sichtbar ist. Das Gebäude wurde zwischen 1968 und 1970 nach Plänen von Manfred Hörner, Peter Senf und Joachim Härter erbaut und setzt sich aus drei Teilen zusammen: an der Kreuzung Karl-Marx-Allee/ Otto-Braun-Straße ein elfgeschossiger Kopfbau, entlang der Otto-Braun-Straße ein neunstöckiger Riegel im Vordergrund und ein dahinter sitzender Zwölfgeschosser. Der Name ist redlich gewählt. In dem riesigen Bauwerk war wirklich das Bundesamt für Statistik zu Hause, aber nicht allein. Die oberen Stockwerke wurden von der Stasi genutzt und das Erdgeschoss  von Einzelhändlern und Restaurants. Jetzt ist alles, was für Passanten erreichbar wäre, einbruchsicher verrammelt und mit Werbeplakaten beklebt.

Warum soll’s weg? Es entspräche nicht mehr, so heißt es aus der Senatsbauabteilung, modernen Anforderungen an Bürogebäude. Nun ja, ob das stimmt. Würde man das Gebäude, das seit 2008 leer steht, in Schuss gehalten haben, wäre hier womöglich eine Fundgrube an günstigem Büroraum entstanden, für die es in dieser Lage etliche Interessenten gegeben hätten. Billig könnte übrigens das entscheidende Stichwort sein. Bestandserhalt ist bei dieser Bausubstanz nicht der beste Weg, eine hohe Rendite zu erzielen. Vielleicht deshalb der 2010 ausgelobte Wettbewerb, den das Berliner Architekturbüro Augustin und Franken gewann. Häuschen, Häuschen, musst dich lohnen. Schade nur, dass dadurch immer mehr Geschichte aus der Stadt verschwindet.

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